Darf mein Anwalt später die Gegenseite vertreten?
günstig für Mandant betrifft Mandanten, Rechtsanwälte, Ehegatten
Vertritt ein Anwalt in einem Verfahren eine Seite, obwohl er früher an derselben Sache für die andere Seite mitgewirkt hat, verletzt er seine Berufspflichten und schädigt das Ansehen des Standes. Im entschiedenen Fall ging es um einen Anwalt, der zuerst für die Ehefrau einen Unterhaltsvergleich abgeschlossen hatte und später für den Ehemann das Ende dieser Unterhaltspflicht begehrte.
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Ständige Rechtsprechung seit 1968, zuletzt bestätigt am 05.08.2025 (9 Entscheidungen).
So hat das Gericht es formuliert (1968)
Doppelvertretung bildet die Disziplinarvergehen der Berufspflichtenverletzung und der Beeinträchtigung von Ehre und Ansehen des Standes, wenn ein Anwalt im gerichtlichen Verfahren in Vertretung des Gatten das Erlöschen der Alimentationsverbindlichkeit begehrt, der seinerzeit als Rechtsanwaltsanwärter für seinen damaligen Chef den Alimentationsvergleich in Vertretung der Gattin abgeschlossen hat.
Ergänzungen des Gerichts in späteren Entscheidungen
- Für den Fall, als sich nachträglich (also nach der Führung von Vertragsverhandlungen, bzw der Vertragsverfassung im Interesse beider Vertragspartner) eine Interessenkollision herausstellt, ist der Anwalt verpflichtet, seine Tätigkeit insgesamt zu beenden.OGH 16 Bkd 12/00, 18.12.2000
- Die Pflichtenkollision wird auch nicht dadurch ausgeschlossen, dass die Vertretung durch jeweils einen anderen Kanzleipartner erfolgt.OGH 16 Bkd 12/00, 18.12.2000
- Das Einverständnis des Klienten mit der Vertretung seiner früheren Lebensgefährtin durch denselben Rechtsanwalt entlastet den Rechtsanwalt nicht. Das Verbot der Doppelvertretung ist eine Vorschrift des öffentlichen Standesrechts, von der die Partei den Rechtsanwalt nicht befreien kann.OGH 16 Bkd 12/00, 18.12.2000
- Hier: Wenn der Rechtsanwaltsanwärter nach Beendigung seiner Ausbildung als selbständiger Rechtsanwalt einen Mandanten in derselben Rechtssache, die er als Rechtsanwaltsanwärter bearbeitet hatte, vertritt, liegt objektiv eine Doppelvertretung iSd § 10 RAO vor.OGH 7 Bkd 1/97, 02.03.1998
Ein Rechtssatz ist eine Regel, die der Oberste Gerichtshof (OGH) in seinen Entscheidungen immer wieder anwendet. Dieser trägt die Nummer RS0055342 · im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) ansehen
Entscheidungen dazu
Im Portal: die neuesten 1 von 9.
- OGH 5 Ob 5/25h, 05.08.2025, Fall aus Tirol
Genannte Normen
DSt 1872 §2 B; DSt 1990 §1 B; RAO §10
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