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Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) · 14.06.2016 · Fall aus Steiermark

OGH 5 Ob 16/16p

Worum es ging: Kann ich meine Stimme im Haus noch zurückziehen?

Die Regeln aus dieser Entscheidung

Wird schriftlich abgestimmt, etwa durch Sammeln von Unterschriften, so bindet Ihre Stimme Sie nicht sofort. Sie können sie widerrufen, solange das Ergebnis nicht allen anderen Eigentümern zugegangen ist; ein Aushang im Haus unmittelbar vor einem Wochenende reicht dafür nicht ohne weiteres aus.

Bei einem schriftlichen Umlaufbeschluss kommt die Entscheidung erst zustande, wenn auch der letzte Miteigentümer Gelegenheit zur Äußerung hatte. Schon in der Übersendung des Unterschriftenformulars, die auch durch persönliches Überbringen erfolgen kann, liegt die vorangehende schriftliche Verständigung. Eine zusätzliche getrennte Verständigung verlangt das Gesetz nicht.

Ein Formfehler macht einen Mehrheitsbeschluss nur dann unwirksam, wenn er die Mitwirkung einzelner Miteigentümer beeinträchtigen konnte. Das hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Sichergestellt sein muss, dass jeder Miteigentümer die vorgeschriebenen Informationen vollständig und rechtzeitig erhalten hat.

Im Außerstreitverfahren sind die Gründe, mit denen Sie eine Entscheidung des zweiten Gerichts bekämpfen können, abschließend aufgezählt. Dazu zählt auch, dass Sie nicht gehört wurden. Dieser Grund führt aber nur dann zur Aufhebung, wenn er sich zu Ihrem Nachteil ausgewirkt haben könnte.

Ja. Wird die Frist für die Stimmabgabe verlängert, muss das allen Wohnungseigentümern bekanntgegeben werden. Sonst erfahren jene, die schon abgestimmt haben, nicht, dass noch immer die Möglichkeit besteht, für ihren Standpunkt zu werben. Ihr Äußerungsrecht wäre dadurch verletzt.

Der Weg durch die Instanzen

Zitierte Paragrafen

AußStrG § 71 MRG § 37 WEG 2002 § 24 WEG 2002 § 25 WEG 2002 § 52 ZPO § 63

Entscheidungstext

48 Absätze, 26.166 Zeichen · im RIS ansehen

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Gericht

OGH

Entscheidungsdatum

14.06.2016

Geschäftszahl

5Ob16/16p

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Dr. Hradil als Vorsitzenden sowie den Hofrat Dr. Höllwerth, die Hofrätin Dr. Grohmann und die Hofräte Mag. Wurzer und Mag. Painsi als weitere Richter in der wohnrechtlichen Außerstreitsache des Antragstellers H***** S*****, vertreten durch Mag. Lukas Held, Rechtsanwalt in Graz (§ 63 ZPO) gegen sämtliche übrigen Mit- und Wohnungseigentümer der Liegenschaft EZ ***** GB *****, darunter 3. P***** P*****, 6. DI E***** S*****, 12. J***** K*****, 18. H***** B*****, 20. S***** H*****, 21. Mag. J***** S*****, 22. H***** P*****, 26. E***** P*****, 27. C***** R*****, 28. M***** T*****, 30. A***** R*****, 31. M***** K*****, 34. M***** A***** M*****, 35. I***** K*****, 36. H***** T*****, 42. Mag. P***** F*****, 46. G***** V*****, 47. E***** S*****, 48. C***** N*****, 49. H***** P*****, 50. M***** G*****, 52. G***** K*****, 64. S***** S*****, 65. D***** S*****, 66. Ing. F***** R*****, 67. U***** R*****, sowie 73. die Verwalterin der Liegenschaft W***** GmbH, *****, als Antragsgegner, die 3., 6., 12., 18., 20. bis 22., 26. bis 28., 30., 31., 34. bis 36., 42., 46. bis 50., 52., 64. bis 67. und 73. Antragsgegner vertreten durch die Lindner & Rock Rechtsanwälte OG in Graz, wegen Beschlussanfechtung (§ 52 Abs 1 Z 4 und 5 WEG), über den außerordentlichen Revisionsrekurs des Antragstellers gegen den Sachbeschluss des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Graz als Rekursgericht vom 2. Jänner 2015, GZ 7 R 91/14z - 92, mit dem der Sachbeschluss des Bezirksgerichts Graz-West vom 26. März 2013, GZ 106 Msch 6/11s-55, in der Hauptsache bestätigt und in der Kostenentscheidung abgeändert wurde, in nichtöffentlicher Sitzung den

Sachbeschluss

gefasst:

Spruch

Dem Revisionsrekurs wird Folge gegeben.

Der vollständige Text steht im RIS (Link oben).

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