Muss ich es rügen, wenn das Gericht zu viel zuspricht?
günstig für Rechtsmittelgegner betrifft Kläger, Beklagter, Rechtsmittelwerber
Ja. Ein Zuspruch über das Beantragte hinaus macht die Entscheidung nicht ungültig. Das höhere Gericht darf ihn nur aufgreifen, wenn Sie diesen Fehler in Ihrem Rechtsmittel ausdrücklich als Mangel des Verfahrens geltend machen. Versäumen Sie das, können Sie es später nicht mehr nachholen.
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Ständige Rechtsprechung seit 1958, zuletzt bestätigt am 07.08.2025 (161 Entscheidungen).
So hat das Gericht es formuliert (1958)
Ein Verstoß gegen die Bestimmung des § 405 ZPO bewirkt nicht Nichtigkeit; das Rechtsmittelgericht kann ihm nur auf Grund einer Mängelrüge Beachtung schenken.
Ergänzungen des Gerichts in späteren Entscheidungen
- Auch das Überschreiten einer compensando eingewendeten Gegenforderung verstößt gegen § 405 ZPO.OGH 2 Ob 67/25d, 03.06.2025
- Auch im Provisorialverfahren.OGH 4 Ob 83/17k, 05.09.2017
- Jedenfalls im wohnrechtlichen Außerstreitverfahren gilt für jene Verfahrensarten, die auf den Dispositionsgrundsatz zugeschnitten sind, dass ein Überschreiten des Verfahrensgegenstands grundsätzlich eine Mangelhaftigkeit begründen könnte.OGH 5 Ob 167/10k, 23.09.2010
- Hier: Erlassung einer EV gegen eine der Beklagten ohne darauf gerichteten Antrag.OGH 4 Ob 13/10f, 20.04.2010
- Die Verletzung des § 405 ZPO stellt einen Verfahrensmangel - hier des Berufungsverfahrens - und keine Nichtigkeit dar.OGH 8 ObA 62/09i, 28.01.2010
Alle 19 Ergänzungen anzeigen
- § 36 Abs 3 und Abs 4 erster Satz AußStrG ist die Parallelbestimmung zu § 405 ZPO. Ein Überschreiten des Verfahrensgegenstands kann nur eine Mangelhaftigkeit des Verfahrens begründen.OGH 16 Ok 51/05, 26.06.2006
- Dies gilt auch für die Entscheidung über ein nur in einem Schriftsatz gestelltes, in der Verhandlung aber nicht vorgetragenes und damit unwirksames Begehren.OGH 6 Ob 132/99a, 21.10.1999
- Eine Überschreitung des Klagebegehrens stellt einen Verfahrensmangel dar, der zur ersatzlosen Aufhebung des über den Urteilsantrag hinausgehenden Zuspruchs führt.OGH 1 Ob 30/98p, 19.05.1998
- Sondern bildet einen wesentlichen Verfahrensmangel.OGH 9 ObA 229/97k, 11.03.1998
- Dieser im allgemeinen zivilgerichtlichen Verfahren geltende Grundsatz ist auch im Verfahren in Arbeitsrechtssachen anzuwenden.OGH 9 ObA 304/92, 16.12.1992
- Ohne Rüge darf das Berufungsgericht einen angeblichen Verstoß gegen § 405 ZPO nicht aufgreifen.OGH 9 ObA 156/89, 12.07.1989
- Hier: AufrechnungseinredeOGH 1 Ob 580/86, 14.07.1986
- Kann vom Rechtsmittelgericht nur in den nächsthöheren Instanz wahrgenommen werden.OGH 4 Ob 343/78, 04.07.1978
- Eine Wiederholung der bereits in der Berufung in dieser Richtung erfolglos erhobenen Mängelrüge im Verfahren vor dem OGH ist ausgeschlossen.OGH 4 Ob 343/74, 12.11.1974
- Hier: Rüge des Verstoßes gegen § 405 ZPO aus dem Berufungsgrund der unrichtigen rechtlichen Beurteilung toleriert.OGH 8 Ob 254/70, 10.11.1970
- Keine unrichtige rechtliche Sachbeurteilung im Sinne des § 503 Z 4 ZPO.OGH 7 Ob 124/68, 10.07.1968
- Gericht hat der Kindesmutter in Bezug auf den Zeitraum der Unterhaltsverpflichtung des Vaters mehr als beantragt zugesprochen.OGH 7 Ob 26/68, 28.02.1968
- Hier: Wurde das Verfahren für nichtig erklärt !OGH 2 Ob 420/58, 04.02.1959
- Wurde die Mängelrüge unterlassen, so kann sie im Revisionsverfahren nicht mehr geltend gemacht werden.OGH 3 Ob 9/59, 28.01.1959
Ein Rechtssatz ist eine Regel, die der Oberste Gerichtshof (OGH) in seinen Entscheidungen immer wieder anwendet. Dieser trägt die Nummer RS0041240 · im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) ansehen
Entscheidungen dazu
Im Portal: die neuesten 3 von 161.
- OGH 7 Ob 113/25f, 07.08.2025, Fall aus Tirol
- OGH 5 Ob 17/20s, 03.04.2020
- OGH 2 Ob 99/16x, 27.04.2017, Fall aus Wien
Im Gesetz
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