Wie unterscheidet sich grobe von einfacher Fahrlässigkeit?
betrifft Versicherungsnehmer, Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Geschädigte
Grobe Fahrlässigkeit ist eine Außerachtlassung der gebotenen Sorgfalt, die sich erheblich und ungewöhnlich von alltäglichen Unachtsamkeiten abhebt und bei der der Schaden wahrscheinlich vorhersehbar ist. Der Verstoß gegen das normale Handeln muss auffallen und der Vorwurf in höherem Maß gerechtfertigt sein. Es braucht einen objektiv besonders schweren Verstoß, der auch persönlich schwerstens vorzuwerfen ist.
Mit KI erklärt am 05.09.2026 · keine Rechtsberatung · Wo bekomme ich Hilfe? · Fehler melden
Ständige Rechtsprechung seit 1970, zuletzt bestätigt am 25.09.2025 (101 Entscheidungen).
So hat das Gericht es formuliert (1970)
Grobe Fahrlässigkeit ist eine Außerachtlassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt, die sich über die alltäglich vorkommenden Fahrlässigkeitshandlungen erheblich und ungewöhnlich heraushebt, wobei der Schaden als wahrscheinlich vorhersehbar ist. Grobe Fahrlässigkeit erfordert, dass der Verstoß gegen das normale Handeln auffallend und der Vorwurf im höheren Maß gerechtfertigt ist. Grobe Fahrlässigkeit ist dann gegeben, wenn ein objektiv besonders schwerer Sorgfaltsverstoß bei Würdigung aller Umstände des konkreten Falles auch subjektiv schwerstens vorzuwerfen ist.
Ergänzungen des Gerichts in späteren Entscheidungen
- Hier: Verneinung eines groben Verschuldens bei ForstarbeitenOGH 8 Ob 89/23f, 26.06.2024
- Hier: Verneinung eines groben Verschuldens bei Prospektkontrollortätigkeit.OGH 10 Ob 23/23i, 13.02.2024
- Hier: Anwärmen eines PKW‑Motors mittels zwischen Motorhaube und Rahmen eingeklemmten Heizlüfters.OGH 2 Ob 170/20v, 21.10.2021
- Hier: Fußgängerin beim Linkseinbiegen übersehen.OGH 2 Ob 192/19b, 27.02.2020
- Hier: Fahrzeugschlüssel werden in einer unversperrten, häufig geöffneten einsehbaren Lade hinter der Theke aufbewahrt. (T33a)<br/>Anm: Änderung der versehentlich ein zweites Mal vergebenen BeisatznummerOGH 7 Ob 122/19w, 28.08.2019
Alle 32 Ergänzungen anzeigen
- Hier: Unfall mit Zweiwegebagger/grobe Fahrlässigkeit bejaht.OGH 2 Ob 73/17z, 28.11.2017
- Unkenntnis der dt. Bestimmungen zur Verbrauchssteuer bei Durchfuhr (KaffeeStG, KaffeeStV) begründet beim Frachtführer keine grobe Fahrlässigkeit, falls er für die Anzeige verantwortlich gewesen wäre, was hier nicht zu prüfen war.OGH 7 Ob 181/16t, 30.11.2016
- Hier: Art 6.2 AWB.OGH 7 Ob 9/14w, 29.01.2014
- Grob fahrlässig handelt, wer weiß oder wissen muss, dass sein Handeln geeignet ist, den Eintritt eines Schadens zu fördern. Die Schadenswahrscheinlichkeit muss offenkundig so groß sein, dass es ohne weiteres naheliegt, zur Vermeidung eines Schadens ein anderes Verhalten als das tatsächlich geübte in Betracht zu ziehen.OGH 7 Ob 9/14w, 29.01.2014
- Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn sich das Verhalten des Schädigers aus der Menge der sich auch für den Sorgsamsten nie ganz vermeidbaren Fahrlässigkeitshandlungen des täglichen Lebens als eine auffallende Sorglosigkeit heraushebt.OGH 7 Ob 9/14w, 29.01.2014
- Hier: Zu § 61 VersVG; Einbruch in einen PKW wegen sichtbar angebrachtem Navigationsgerät.OGH 7 Ob 17/11t, 16.02.2011
- Überlässt der Versicherungsnehmer (hier: Masseverwalter) dem Gemeinschuldner die Fahrteinteilung und weist ihn an, Ruhezeiten einzuhalten, so ist die über die Plausibilitätsprüfung zur Verhinderung von Schwarzfahrten nicht hinausgehende Prüfung des Masseverwalters auf Einhaltung von Ruhezeiten nicht grob fahrlässig.OGH 7 Ob 157/08a, 22.10.2008
- Hier: Arbeitsunfall an einer Fräseinrichtung - grob fahrlässige Außerachtlassung von Arbeitnehmerschutzvorschriften bejaht.OGH 10 ObS 145/07g, 04.03.2008
- Bei der Beurteilung des Fahrlässigkeitsgrads misst die Rechtsprechung der Schwere des Sorgfaltsverstoßes und der Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts besondere Bedeutung zu.OGH 10 ObS 145/07g, 04.03.2008
- Wann und unter welchen Umständen das Entzünden von Kerzen auf einem Christbaum als grob fahrlässig anzusehen ist, hängt von den konkreten, speziellen Gegebenheiten des Einzelfalls ab und lässt sich daher nicht generell, sondern nur einzelfallbezogen beantworten.OGH 7 Ob 20/08d, 07.02.2008
- Hier: Art 8 ABEV (Wasserschaden nach Frost).OGH 7 Ob 215/07d, 16.11.2007
- Es würde die Pflicht des Versicherungsnehmers, das Haus zu beaufsichtigen, überspannen, wollte man von ihm - ohne jede Anhaltspunkte, dass die Heizung ausfallen könnte - alle zwei Tage eine Kontrolle der Heizung verlangen.OGH 7 Ob 215/07d, 16.11.2007
- Hier: Unterbrechung der versicherten Rückreise um mit einem Schmuckkoffer einen Copyshop aufzusuchen (§ 8 AÖTB 2001).OGH 7 Ob 22/07x, 14.02.2007
- Keine grobe Fahrlässigkeit bei Entsorgung von noch zündfähiger Asche in einem Plastikeimer in einem Schuppen, weil Versicherungsnehmer nach ordentlicher Prüfung irrtümlich von der Ungefährlichkeit der Asche ausging.OGH 7 Ob 130/06b, 21.06.2006
- Das unbewachte Parken am Stadtrand von Sofia eines Fahrzeuges der Luxusklasse, das in der Folge geraubt wird, wobei der Klägerin dort bereits zwei Fahrzeuge in der Vergangenheit gestohlen wurden, ist grob fahrlässig.OGH 7 Ob 11/06b, 15.02.2006
- Hier: Zu § 159 StGB idF BGBl I 2000/58.OGH 11 Os 28/03, 24.06.2003
- Hier: Missachtung einer Höhenbeschränkung bei Durchfahrt durch Bahnunterführung mit LKW.OGH 7 Ob 289/98w, 28.05.1999
- Hier: Herausgabe eines PKW's durch den Werkunternehmer.OGH 7 Ob 353/97f, 31.03.1998
- Arbeitsunfall bei einem Verschubvorgang.OGH 10 ObS 2338/96p, 05.11.1996
- Hier: § 213a ASVGOGH 10 Ob 76/94, 19.07.1994
- Hier: Unterlassenes Auslösen einer Diebstahlssicherung (Wegfahrsicherung) an einem Personenkraftwagen.OGH 7 Ob 11/92, 09.07.1992
- Bruch der Bordwandsteher während des Ladevorganges zufolge unsachgemäßer Ladung - keine grobe Fahrlässigkeit.OGH 2 Ob 126/82, 31.01.1984
- Die Beurteilung des Verschuldengrades hat auch unter Bedachtnahme auf die persönlichen Verhältnisse und die allgemeinen Lebensgewohnheiten des fahrlässig Handelnden zu erfolgen.OGH 7 Ob 38/80, 26.06.1980
- Grobe Fahrlässigkeit des Nehmers eines Scheckkarten - Schecks.OGH 4 Ob 583/79, 04.03.1980
- Weder das Fahren ohne Lenkerberechtigung noch das Einhalten einer überhöhten Geschwindigkeit in Verbindung mit strafgerichtlich festgestellter Unaufmerksamkeit - auch in seiner Gesamtheit - vermag grobes Verschulden zu begründen.OGH 2 Ob 88/78, 08.06.1978
- § 61 VersVGOGH 7 Ob 14/77, 03.03.1977
- Hier: § 5 BStGOGH 2 Ob 191/75, 09.10.1975
Ein Rechtssatz ist eine Regel, die der Oberste Gerichtshof (OGH) in seinen Entscheidungen immer wieder anwendet. Dieser trägt die Nummer RS0031127 · im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) ansehen
Entscheidungen dazu
Im Portal: die neuesten 10 von 101.
- OGH 7 Ob 86/25k, 25.09.2025, Fall aus Wien
- OGH 7 Ob 170/24m, 23.10.2024, Fall aus Wien
- OGH 9 ObA 68/24a, 19.09.2024, Fall aus Oberösterreich
- OGH 8 Ob 89/23f, 26.06.2024, Fall aus Steiermark
- OGH 10 Ob 23/23i, 13.02.2024, Fall aus Wien
- OGH 9 ObA 74/23g, 18.10.2023, Fall aus Tirol
- OGH 9 ObA 68/23z, 18.10.2023, Fall aus Oberösterreich
- OGH 9 ObA 102/22y, 19.12.2022, Fall aus Steiermark
- OGH 9 ObA 6/20b, 29.04.2020, Fall aus Steiermark
- OGH 9 ObA 26/19t, 28.03.2019, Fall aus Steiermark
Im Gesetz
- Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) § 1324
- Allgemeines Sozialversicherungsgesetz (ASVG) § 213a · Integritätsabgeltung
- ASVG § 334
- Strafgesetzbuch (StGB) § 88 · Fahrlässige Körperverletzung
Verwandte Fragen
Schadenersatz · Begriff der groben Fahrlässigkeit
Schadenersatz · Wann grobe Fahrlässigkeit vorliegt
Schadenersatz · Begriff der groben Fahrlässigkeit
Schadenersatz · Abgrenzung grobe und leichte Fahrlässigkeit
Schadenersatz · Maßstab der groben Fahrlässigkeit