Wie schnell muss der Chef ein Betriebsratsmitglied entlassen?
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Ständige Rechtsprechung seit 1989, zuletzt bestätigt am 19.09.2024 (11 Entscheidungen).
So hat das Gericht es formuliert (1989)
Ergänzungen des Gerichts in späteren Entscheidungen
- Hier: Verspätung, wenn die Klage erst rund 2 Wochen nach der Entlassung bei Gericht einlangtOGH 8 ObA 73/23b, 13.12.2023
- Ob die Klage auf gerichtliche Zustimmung rechtzeitig erhoben wurde, ist eine Frage des Einzelfalls, der grundsätzlich keine erhebliche Bedeutung iSd § 502 Abs 1 ZPO zukommt.OGH 8 ObA 73/23b, 13.12.2023
- Dass die Rechtsprechung die unverzügliche Klage auf nachträgliche gerichtliche Zustimmung verlangt, beruht auf der Erwägung, dass der Arbeitgeber alles zu tun hat, um den Schwebezustand so kurz wie möglich zu halten. Es gilt eine der Funktion der Belegschaftsvertretung äußerst abträgliche Rechtsunsicherheit tunlichst hintanzuhalten.OGH 8 ObA 73/23b, 13.12.2023
- Hier: Zuwarten von drei Wochen ohne ausreichend konkrete Gründe für eine Rechtfertigung der Verzögerung verletzt die Obliegenheit zur unverzüglichen Geltendmachung des Entlassungsgrundes.OGH 8 ObA 38/19z, 24.07.2019
- Die Klage des Betriebsinhabers auf Zustimmung zur Kündigung eines Betriebsratsmitglieds muss unverzüglich erfolgen, nachdem dem Arbeitgeber der Grund, der zur Kündigung berechtigt, bekannt geworden ist.OGH 8 ObA 38/19z, 24.07.2019
Alle 10 Ergänzungen anzeigen
- Zuwarten von 10 Tagen zwecks Besprechung mit Steuerberater und Klagevertreter zu lange.OGH 8 ObA 306/99d, 22.12.1999
- Die Klage auf nachträgliche Zustimmung zur Entlassung einer schwangeren Dienstnehmerin ist ehebaldigst einzubringen. Die Rechtsprechung zur Notwendigkeit der ehebaldigsten Klagseinbringung zu § 122 ArbVG kann daher auf das MuttSchG übertragen werden.OGH 8 ObA 78/99z, 18.05.1999
- Zuwarten bis zur Erhärtung von Verdachtsmomenten gerechtfertigt. Ob das Betriebsratsmitglied von den gegen es geführten Ermittlungen des Arbeitgebers Kenntnis hatte, ist allerdings für die Beurteilung der Rechtzeitigkeit der Klagseinbringung ohne Bedeutung.OGH 9 ObA 226/91, 20.11.1991
- § 48 ASGG.OGH 9 ObA 226/91, 20.11.1991
- Bei einem solchen, für den Betriebsinhaber ungewöhnlichen und sehr bedeutsamen Schritt wie der Entlassung eines Betriebsratsmitgliedes muss dem Betriebsleiter auch Zeit zur Einholung eines juristischen Rates zugebilligt werden.OGH 9 ObA 138/91, 06.11.1991
Ein Rechtssatz ist eine Regel, die der Oberste Gerichtshof (OGH) in seinen Entscheidungen immer wieder anwendet. Dieser trägt die Nummer RS0028954 · im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) ansehen
Entscheidungen dazu
Im Portal: die neuesten 4 von 11.
- OGH 9 ObA 97/23i, 19.09.2024, Fall aus Steiermark
- OGH 9 ObA 91/23g, 18.03.2024, Fall aus Steiermark
- OGH 8 ObA 73/23b, 13.12.2023, Fall aus Tirol
- OGH 8 ObA 38/19z, 24.07.2019, Fall aus Steiermark
Im Gesetz
- Angestelltengesetz (AngG) Art. 1 § 27
- Arbeitsverfassungsgesetz (ArbVG) § 122 · Entlassungsschutz
Die andere Seite
Zum selben Thema hat das Gericht auch Regeln aufgestellt, die für die Gegenseite günstig sind.
Die Pflicht, sofort zu entlassen, darf nicht überspannt werden. Wurde ein Mitarbeiter sofort nach Bekanntwerden des Vorwurfs vom Dienst freigestellt und rund drei Wochen später entlassen, war die Entlassung rechtzeitig.
Entlassungsgründe sind grundsätzlich sofort geltend zu machen. Das gilt aber nicht, wenn sich die Entlassung aus Gründen verzögert, die in der inneren Organisation des Unternehmens liegen.