OGH 5 Ob 154/16g
Worum es ging: Wer entscheidet, wenn nur ein Anteil mit Fruchtgenuss belastet ist?
Die Regeln aus dieser Entscheidung
Auf das Verhältnis zwischen dem Fruchtgenussberechtigten eines Anteils und den Eigentümern der übrigen Anteile sind die Regeln über gemeinsames Eigentum sinngemäß anzuwenden. Der Eigentümer des belasteten Anteils ist von Nutzung und Verwaltung ausgeschlossen. Dasselbe gilt im Verhältnis zwischen zwei Fruchtgenussberechtigten verschiedener Anteile.
Nein. An einem rechnerischen Anteil an einer Liegenschaft kann ein umfassendes Nutzungsrecht bestehen, ein Wohnrecht dagegen nicht. Der Grund ist, dass einem bloßen Miteigentümer kein Recht auf die Nutzung eines bestimmten Teils zusteht. Auch ein Nutzungsrecht an einem räumlich bestimmten Teil kann ein einzelner Miteigentümer nicht allein einräumen, dazu braucht es die Zustimmung der anderen.
Steht an einem Anteil ein Fruchtgenussrecht, übt der Fruchtgenussberechtigte anstelle des belasteten Miteigentümers die Nutzungs- und Verwaltungsrechte allein aus. Er kann daher auch einen Antrag zur Bildung, Erhöhung oder Verminderung der Rücklage stellen. Beim Anteil eines Wohnungseigentümers gilt dabei nichts anderes als beim Anteil eines schlichten Miteigentümers.
Der Fruchtnießer. Wer ein Fruchtgenussrecht an einem Miteigentumsanteil hat, übt die Nutzungs- und Verwaltungsbefugnisse aus, die sonst dem Anteilseigentümer zustehen. Das gilt auch im Wohnungseigentum: Der Eigentümer hat dann kein Recht auf Benützung und Verwaltung der Wohnung und der allgemeinen Teile.
Mit Mehrheit dürfen die Eigentümer nur über Maßnahmen der Verwaltung entscheiden. Geht ein Beschluss darüber hinaus, überschreitet er die Zuständigkeit der Mehrheit und kann deshalb angefochten werden.
In der Regel der Fruchtgenussberechtigte. Wer das Fruchtgenussrecht an einem Wohnungseigentumsobjekt hat, tritt auch in den Angelegenheiten der Verwaltung an die Stelle des Eigentümers. Er nimmt daher an dessen Stelle an der Willensbildung der Eigentümergemeinschaft teil.
Der Weg durch die Instanzen
- Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien als Rekursgericht, 29.06.2016, 40 R 142/16b-12
Zitierte Paragrafen
ABGB § 472 ABGB § 509 ABGB § 511 ABGB § 833 MRG § 12a MRG § 37 WEG 2002 § 18 WEG 2002 § 2 WEG 2002 § 24 WEG 2002 § 28 WEG 2002 § 52
Entscheidungstext
36 Absätze, 14.216 Zeichen · im RIS ansehen
Anfang des Textes anzeigen
Gericht
OGH
Entscheidungsdatum
22.11.2016
Geschäftszahl
5Ob154/16g
Kopf
Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Dr. Hradil als Vorsitzenden, durch den Hofrat Dr. Höllwerth, die Hofrätin Dr. Grohmann und die Hofräte Mag. Wurzer und Mag. Painsi als weitere Richter in der außerstreitigen Wohnrechtssache der Antragstellerin I***** GmbH, *****, vertreten durch Dr. Bertram Broesigke, Rechtsanwalt in Wien, gegen die Antragsgegner 1. R***** P*****, 2. K***** H*****, 3. S***** S*****, 4. Dr. N***** P*****, 5. M***** Z*****, 6. A***** B*****, 7. Dr. A***** W*****, 8. Mag. S***** K*****, 9. G***** GmbH, *****, 10. C***** R*****, 11. Dr. B***** H*****, 12. Dr. J***** D*****, 13. J***** M*****, 14. A***** R*****, 15. M***** B*****, 16. I***** D*****, 17. Mag. J***** K*****, 18. Dr. E***** B*****, 19. Dr. E***** P*****, 20. C***** E*****, 21. F***** S*****, 3.- und 4.-, 6.- bis 8.-, 11.- bis 14.- und 16.- bis 21. Antragsgegner vertreten durch Dr. Harald Friedl, Rechtsanwalt in Wien, wegen Beschlussanfechtung, über den außerordentlichen Revisionsrekurs der 3.- und 4.-, 6.- bis 8.-, 11.- bis 14. und 16. bis 21. Antragsgegner gegen den Sachbeschluss des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Wien als Rekursgericht vom 29. Juni 2016, GZ 40 R 142/16b-12, mit dem der Beschluss des Bezirksgerichts Innere Stadt Wien vom 29. Februar 2016, GZ 42 Msch 21/15z-7, bestätigt wurde, den
Sachbeschluss
gefasst:
Spruch
Dem Revisionsrekurs wird nicht Folge gegeben.
Der vollständige Text steht im RIS (Link oben).