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Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (OGH) · 14.06.2016 · Fall aus Steiermark

OGH 5 Ob 20/16a

Worum es ging: Muss das Gericht von sich aus alles ermitteln?

Die Regeln aus dieser Entscheidung

Im außerstreitigen Verfahren muss das Gericht den Sachverhalt zwar von sich aus erforschen. Diese Pflicht endet aber dort, wo es keine Anhaltspunkte für weitere Aufklärung gibt. Bringen Sie eine für Sie günstige Tatsache überhaupt nicht vor, muss das Gericht in diese Richtung nicht weiter ermitteln.

Dann forscht das Gericht nicht weiter. Auch dort, wo es den Sachverhalt von sich aus ermitteln muss, endet das, sobald Sie nichts vorbringen oder Ihre Angaben trotz Anleitung so unbestimmt bleiben, dass sie nicht überprüfbar sind.

Nein, in der Regel nicht. Sie müssen zwar keine förmliche Beweislast tragen, aber doch konkret behaupten, worum es geht. Wendet die Gegenseite nur einen bestimmten Punkt ein, hat das Gericht die übrigen nicht von sich aus zu prüfen.

In manchen Verfahren erforscht das Gericht den Sachverhalt von sich aus. Diese Pflicht endet aber dort, wo Sie überhaupt nichts vorbringen oder Ihr Vorbringen trotz Anleitung durch das Gericht zu unbestimmt bleibt. Sie tragen zwar keine förmliche Beweislast, müssen aber ausreichend konkret schildern, worum es geht.

Bei diesen Fristen kommt es darauf an, wann die Erklärung bei Gericht einlangt, nicht wann Sie sie abgeschickt haben. Das gilt für Klagen ebenso wie für Anträge, die eine Klage ersetzen.

Als überstimmter Miteigentümer dürfen Sie in Ihrem Überprüfungsantrag auch Mängel beim Zustandekommen des Beschlusses geltend machen. Haben Sie den Antrag jedoch nur wegen des Inhalts fristgerecht eingebracht, ist ein späteres Vorbringen, der Mehrheitsbeschluss sei auch aus formellen Gründen mangelhaft, verspätet.

Fasst die Mehrheit der Wohnungseigentümer einen Beschluss über die laufende Verwaltung, kann ihn die überstimmte Minderheit bekämpfen. Damit soll durchgesetzt werden, dass zwingende Vorschriften des Wohnungseigentumsrechts eingehalten werden. Darüber hinaus kommen allenfalls krasse Verstöße gegen Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit in Frage.

Normalerweise wird davon ausgegangen, dass allen Parteien die Entscheidung des Berufungsgerichts schon zugestellt wurde. Wurde sie Ihnen versehentlich nicht zugestellt, beginnt Ihre Frist zur Beantwortung erst mit deren Zustellung, sofern Sie diese Zustellung unverzüglich urgiert haben.

Der Weg durch die Instanzen

Zitierte Paragrafen

ABGB § 862 AußStrG § 68 MRG § 37 WEG 2002 § 14 WEG 2002 § 23 WEG 2002 § 24 WEG 2002 § 28 WEG 2002 § 29 WEG 2002 § 52 ZPO § 507a

Entscheidungstext

52 Absätze, 20.766 Zeichen · im RIS ansehen

Anfang des Textes anzeigen

Gericht

OGH

Entscheidungsdatum

14.06.2016

Geschäftszahl

5Ob20/16a

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat durch den Senatspräsidenten Dr. Hradil als Vorsitzenden, den Hofrat Dr. Höllwerth, die Hofrätin Dr. Grohmann und die Hofräte Mag. Wurzer und Mag. Painsi als weitere Richter in der außerstreitigen Wohnrechtssache der Antragsteller 1. DI M***** K*****, 2. Mag. Ar. I***** P*****, 3. R***** P*****, 4. DI G***** H*****, 5. S***** S*****, 6. Mag. A***** S*****, 7. Mag. Dr. R***** G*****, 8. DI W***** K*****, 9. F***** C*****, 10. M***** O*****, 11. DI M***** K*****, 12. Dr. M***** H*****, 13. Dr. S***** H*****, 14. Mag. K***** S*****, und 15. Mag. R***** S*****, sämtliche vertreten durch Dr. Annemarie Stipanitz-Schreiner, Dr. Helmut Klement, Rechtsanwälte in Graz, gegen die Antragsgegner 1. A***** J*****, 2. K***** GmbH, *****, vertreten durch Mag. Vinzenz Fröhlich, Dr. Maria Christina Kolar-Syrmas, Dr. Armin Karisch, Rechtsanwälte in Graz, 3. R***** B*****, 4. A***** A*****, 5. G***** K*****, 6. Mag. H***** N*****, 7. I***** W*****, 8. R***** K*****, 9. N***** G*****, 10. M***** K*****, 11. Mag. K***** G*****, 12. C***** K***** und 13. DI F***** K*****, wegen §§ 24 Abs 6, 52 Abs 1 Z 4 WEG 2002, über den Revisionsrekurs der Zweitantragsgegnerin gegen den Sachbeschluss des Landesgerichts für Zivilrechtssachen Graz als Rekursgericht vom 18. September 2015, GZ 7 R 75/15y-22, mit dem der Beschluss des Bezirksgerichts Graz-Ost vom 21. März 2015, GZ 255 Msch 14/11h-16, bestätigt wurde, den

Sachbeschluss

gefasst:

Spruch

Dem Revisionsrekurs wird Folge gegeben.

Der vollständige Text steht im RIS (Link oben).

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